Rudolph lebt… eine Weihnachtsgeschichte

Mittagspause. Die eine Kollegin knabbert Spekulatius, die andere schält eine Apfelsine. Beides zusammen verschafft dem Büro ein wunderbar weihnachtliches Aroma. Und das passt auch gerade sehr gut, denn wir planen unsere diesjährige Weihnachtsfeier. Und wo wir schon einmal beim Thema sind, fällt mir spontan eine schöne Geschichte über Weihnachten, den Glauben an den Weihnachtsmann und Kindermund ein, die sich genau so vor einigen Jahren zugetragen hat.

 

Alle Jahre wieder…

 …kommt das Christuskind. Die Drachenfrau kennt das aus ihrer Kindheit noch sehr gut. Da kam nämlich wirklich zu Weihnachten das Christkind und brachte die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann. Den gab es damals nur in seiner Funktion als Nikolaus. Anfang Dezember wurde abends der Wunschzettel auf die Fensterbank gelegt und nachts, wenn alles schlief, kam das Christkind und holte ihn ab. Wenn man lieb war, bekam man das Gewünschte, wenn nicht, dann nicht. Und das war auch ganz in Ordnung so. Das Christkind kam an Heiligabend auch immer ganz heimlich, nur die Mama durfte es sehen, und wenn es davonflog, läutete es ganz sacht ein kleines Glöckchen. Erst dann durfte das weihnachtlich geschmückte Zimmer mit dem strahlenden Weihnachtsbaum und den gefüllten Weihnachtstellern betreten werden. Soweit die Erinnerungen der Drachenfrau an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit.

Das Christkind scheint aus der Mode gekommen zu sein, heutzutage kommt zu Weihnachten der Weihnachtsmann mit lautem „Hohoho!“ aus dem Schnee in die Wohnung gestapft, trägt die Geschenke (viele Geschenke!) in einem riesigen Sack herum und verteilt sie mit vielen strengen Blicken an die Kinderschar.

Und damit der Weihnachtsmann auch wirklich kommt, gibt es Weihnachtsmannagenturen, wo man ihn bestellen kann. Und genau das taten die Großeltern von Drachenfraus Patenmädchen an besagtem Weihnachtsfest vor etlichen Jahren.

Das Patenmädchen war schon sechs und hatte bereits mehrfach lauthals kund getan, dass es nicht mehr an den Weihnachtsmann glaube, das wäre etwas für kleine Kinder und sie sei ja schon groß, schließlich käme sie im Sommer schon in die Schule. Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten beschworen sie jedoch, diese ketzerischen Worte nicht vor den kleineren Cousinen und Cousins zu wiederholen, da diese sehr wohl noch an den Weihnachtsmann glaubten und man ihnen die Freude nicht verderben dürfe. Das wurde hoch und heilig versprochen, und so konnte die Bescherung losgehen.

Es war ein für unsere Gegend außergewöhnlicher Heiligabend, denn es hatte zum Entzücken der Kinder tatsächlich ergiebig geschneit. Die ganze Großfamilie war im Wohnzimmer versammelt, als die Tür aufging und der Weihnachtsmann (mit „Hohoho“ – Sie erinnern sich?) hereinkam. Er sprach jedes Kind mit Namen an, lauschte geduldig den aufgeregt gestammelten Gedichten und ermahnte die Kinder wegen diverser Unartigkeiten (die ihm natürlich die Eltern aus pädagogischen Gründen gesteckt hatten) mit erhobenem Zeigefinger, aber dennoch auf nette Weise. Doch, der Mann war sein Geld wert, unbedingt. Alle Anwesenden waren sehr zufrieden. Und auch das Patenmädchen, das nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubte, sah ihn mit großen Augen an und nahm sehr kleinlaut und andächtig die Geschenke entgegen.

Nachdem der gute Mann in Begleitung eines der Onkel das Haus verlassen hatte, stürzten sich die Kinder auf die Geschenke. Und die Erwachsenen begaben sich auf ein Glas Sekt in die Küche.

Einen Augenblick später kam der Onkel grinsend herein und erzählte leise, dass der Weihnachtsmann leider im Schnee den Blumenkübel in der Einfahrt nicht gesehen hat und dagegen gefahren sei. Niemand hatte bemerkt, dass das Patenmädchen ebenfalls in die Küche gekommen war, um eins ihrer Geschenke zu präsentieren.

Sie schaute mit großen, erschrockenen Augen ihren Onkel an und flüsterte mit bebenden Lippen und zitternder Stimme: „Ist den Rentieren etwas passiert?“

Da mussten alle lachen und der Onkel fragte: „Ich dachte, Du glaubst nicht mehr an den Weihnachtsmann?“ – Patenmädchen trotzig: „Tu ich auch nicht, aber Rentiere gibt es ja wirklich, die habe ich schon im Zoo gesehen.“

Verblüffende Kinderlogik. Den Weihnachtsmann gibt es nicht, aber er kommt natürlich mit einem Rentierschlitten.

Ach ja, falls es jemanden interessiert: Den Rentieren ist nichts passiert, der Onkel hat beim Wegfahren ganz deutlich das Leuchten von Rudolphs roter Nase gesehen. Ich schwör! 

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Über drachenfrau

Drachenfrau Geboren, aufgewachsen und immer noch wohnhaft in einer kleinen Großstadt im Bergischen Land. Liebt eigentlich Hunde, hat aber Katzen. Wollte eigentlich nie heiraten, hat aber jetzt den besten Ehemann von der Welt. Möchte am liebsten Opernarien singen, hat aber überhaupt keine Stimme. Mag eigentlich keine Politiker, ist aber politisch aktiv. Wollte eigentlich einen aufregenden internationalen Job, ist aber in einem mittelständischen Unternehmen gelandet und fühlt sich dort geradezu unanständig wohl. Alles weitere beizeiten...
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