Italienisch für Anfänger

Nun hatte der beste Ehemann von allen ja letztes Jahr die grandiose Idee, man könnte doch mal gemeinsam einen Kurs bei der örtlichen Volkshochschule belegen. Schließlich muss das Gehirn regelmäßig trainiert werden und wie könnte man das besser, als eine neue Sprache zu lernen? Polnisch zum Beispiel (Häh? Was soll ich damit???) oder Russisch (Häh? Wozu???) oder irgendetwas anderes. Mit „irgendetwas anderes“ war ich einverstanden und so haben wir uns nach längeren Diskussionen unter Abwägung der Veranstaltungstermine für einen Kurs „Italienisch für Anfänger“ entschieden, für den keine Vorkenntnisse erforderlich waren.

Nun ist italienisch eine Sprache, mit der man eigentlich nahezu täglich konfrontiert wird, zum Beispiel bei der Bestellung in der Lieblingspizzeria oder im Radio, wenn Eros Ramazzotti singt. Oder auch durch die – von lebhaften Gebärden unterstützte -Unterhaltung der italienischen Nachbarin von nebenan (links) mit der ebenfalls italienischen Nachbarin von gegenüber, die lauthals quer über die Straße hinweg geführt wird. So wüsste man doch endlich einmal, ob die beiden Kochrezepte austauschen, eine gemeinsame Schutzgelderpressung planen oder möglicherweise über mich herziehen. Nicht, dass mich das besonders stören würde – ich halte es da wie Die Ärzte und „Lasse reden“, aber wissen möchte ich es doch gerne. Nicht, dass ich neugierig wäre, nein. Nur wissbegierig und interessiert an meinen Mitmenschen.

Kurzum: Wir haben den Kurs belegt und im letzten Herbst begonnen. Seitdem wissen wir, dass man bei der Begrüßung und bei der Verabschiedung „ciao“ sagt, dass Milchkaffee „Latte Macchiato“ genannt wird und dass es doch mehr grammatikalische Fallen und Besonderheiten gibt, als man denken möchte. Von der süßen italienischen Studentin, die den Kurs gibt, mit vielen aufmunternden „Bravissimo“s zu immer höheren Höchstleistungen getrieben, entdeckte der beste Ehemann von allen nach einer Weile, dass sein Gehirn gar nicht so unbedingt trainiert werden müsse und dass er Grammatik schon in der Schule doof fand und er eigentlich auch gar nicht wissen möchte, was die Nachbarn (egal welcher Nationalität) so reden. Die italienischen Speisen, die ihm schmecken, kennt er, die Leute in der Pizzeria sprechen ausgezeichnet deutsch und Eros Ramazzotti mag er auch nicht. Also bin ich – das war ja sooo klar – ab der Mitte des Kurses alleine hingegangen. Trotz der etwas verzwickten Grammatik hat es mir viel Spaß gemacht, sodass ich mich auch für den Kurs „Italienisch für Anfänger 2“ angemeldet habe.

Im Sommer gibt es bestimmt eine Menge verregneter Sonntage, an denen man gut den Stoff des ersten Kurses wiederholen kann, dachte ich. Ich hab ja soviel Zeit dafür, dachte ich. Das meiste behalte ich sowieso, dachte ich. Und jetzt? Die Sommerferien sind um, es gab kaum Regen, und kaum Lust zum Lernen und in 12 (in Worten: ZWÖLF!!!) Tagen beginnt der Fortsetzungskurs. Und ich habe alles, alles, alles vergessen. Sogar das, was ich vor dem Kurs schon kannte. Wie heißt nochmal dieser italienische Kaffee mit dem Milchschaum? Diese merkwürdigen dünnen langen Nudeln mit der Hackfleischsoße? Dieser komische kleine Holzkerl mit der langen Nase? Alles weg! Hiiiilfeee! Gnottschi weiß ich noch… aber schrieben die sich nicht ganz anders? Und wie war nochmal die Aussprache? Und wo ist überhaupt die Begleit-CD? Wie soll ich das denn schaffen? Das ist eigentlich gar nicht zu schaffen. Nee, echt nicht…

Also lass ich das und schreib erst einmal einen Blogeintrag, der war nämlich schon genauso lange überfällt wie das Italienischlernen. Einen schönen Tag noch.

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Über drachenfrau

Drachenfrau Geboren, aufgewachsen und immer noch wohnhaft in einer kleinen Großstadt im Bergischen Land. Liebt eigentlich Hunde, hat aber Katzen. Wollte eigentlich nie heiraten, hat aber jetzt den besten Ehemann von der Welt. Möchte am liebsten Opernarien singen, hat aber überhaupt keine Stimme. Mag eigentlich keine Politiker, ist aber politisch aktiv. Wollte eigentlich einen aufregenden internationalen Job, ist aber in einem mittelständischen Unternehmen gelandet und fühlt sich dort geradezu unanständig wohl. Alles weitere beizeiten...
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